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Don Juan wird sechzig

Oper in 3 Akten

Ein Auftrag des Wiener Mozartjahres 2006

Libretto: Robert Schindel         

 

Besetzung

 

 

Joseph Herzog……………………………………….…………………………………………...........…..Hoher Bariton

(Privatier, reicher Erbe, 18, 23 und 59 Jahre, schlank, soigniert)

 

Konstantin………………………………………………………………………………………………………..........…..Tenor

(Journalist, 52 Jahre, bester Freund des Herzog seit vielen Jahrzehnten)

 

Juliane (Juli)……………………………………………………………………………………………………............Sopran

(Hausfrau, früher Philosophielehrerin, 16 und 56 Jahre, erste Liebe des Herzog)

 

Katharina….……………………………………………………………………………………………………...........…Sopran

(Maklerin, 17 und 57 Jahre, große Liebe des Herzog in der 68-Zeit, Mutter seines Sohnes)

 

Deborah…………………………………………………………………………..………………...........………Mezzosopran

(Filmemacherin. 21 und 36 Jahre, Eltern flüchteten 1968 mit ihr im Mutterleib aus Prag nach Wien)

 

Yassir-Ché……………………………………………………………………….…………………………….........…….Tenor

(Sohn von Herzog und Katharina, drogenkrank, 36 Jahre)

 

Jean-Paul Sartre (Philosoph und Schriftsteller, 57 Jahre)……………………..........……*Baß-Bariton

   Rudi Dutschke (Studentenführer, 27 Jahre)

     Rabbi Löw (Rabbiner zu Prag, 470 Jahre, angeblicher Schöpfer des Golem, Retter der 

                                        Prager Juden, wegen seines guten Einvernehmens mit Rudolf II.)

 

Maya (besonders attraktiv, Jugend und Reife verkörpernd)......................................Mezzosopran

 

Simone de Beauvoir (Philosophin, Schriftstellerin, Freundin von Sartre, 57 Jahre)..........**Alt

    Silvia (alte, beste Freundin von Herzog, 55 Jahre, Privateuse)   

 

Passanten, Studenten, Polizisten, Demonstranten, Geburtstagsgäste...........………………Chor

Komparsen

 

*) Die drei Rollen sollten vom selben Sänger gesungen werden

**) Diese beiden Rollen sollten von der selben Sängerin gesungen werden

 

Spielt in Wien, Paris, Berlin, Prag in den Jahren 1962, 1967, 1989 und um 2004

 

Synopse/Exposé

 

Joschi Herzog, ein reicher Erbe fällt angesichts seines bevorstehenden Geburtstags in eine tiefe Verzweiflung: Alles, was er unternommen hat, ist ihm schließlich unter den Fingern zerronnen. Die vielen Frauen, die er geliebt hat, sind wie verschwunden, auch wenn viele von ihnen zum großen Geburtstagsfest kommen werden. Weil er so gelebt hat, versteht er nicht zu altern. Sein Freund Konstantin sucht ihn einige Tage vor dem großen Fest auf, hört sich seine Jeremiaden an und macht ihm einen Vorschlag: Er möge die drei wichtigsten seiner Frauen nochmals verführen, auf die alten Fehler draufkommen und sie künftigst vermeiden. Bei welchen der dreien ihm das am Besten gelingt, mit der sollte er alt werden in Ruhe und Frieden.

 

Die erste, die Herzog sich aussucht ist Julie. Als er noch minderjährig war und zu seinem Vermögen keinen Zugang, schmachtete er in einem Bundeskonvikt. Von dort knüpfte er die Liebesbeziehung zu Julie an. Die beiden beschlossen zu fliehen, nicht nach Gretna Green, wie er wollte, sondern nach Paris, in die Hauptstadt des Existentialismus. In Paris schlugen sie sich als Straßenmusikanten durch, hingen in Jazzlokalen ab, bis sie die Bekanntschaft des Jean-Paul Sartre machten, der auf die junge Julie scharf war. Die Beauvoir unterstütze ihn bei diesem Verführungsversuch, schließlich ließ sie sich selbst von Herzog verführen. Drei Jahre später – Herzog war großjährig – knüpften die beiden an ihre Liebe in Paris wieder an, doch Julie war ständig eifersüchtig auf Simone und deren Nachfolgerinnen, er entfremdete sich der Sartre studierende Julie immer mehr. Nun trifft er sie wieder, sie ist Großmutter und eine Wissenschaftsjournalistin in Pension. Es kommt zwar zu einer neuerlichen Verführung, aber am nächsten Tag spürten beide, dass sie miteinander nicht alt werden können.

 

Die zweite ist Katharina, die dritte dann Deborah.

Auch mit ihnen unternimmt er Reisen zu Zeitpunkten, die später als historisch galten. Immer brachten die Frauen den Müßiggänger in die Abenteuer hinein. Mit Katharina wohnt er zeitweilig in der K1 im Jahre 1967 in Berlin, sie lernen Dutschke kennen, der ihnen seine Befreiungstheorie nahe bringt. Katharina bekommt von Herzog ein Kind, das allerdings in der Folge drogensüchtig wird und bei der jetzigen neuerlichen Verführung das scheinbare Haupthindernis ist, sodass die beiden nicht zusammenbleiben können. Deborah reist im Herbst 89 mit Herzog nach Prag, und sie geraten in die sanfte Revolution. Als Jüdin sucht sie mit ihm die alten Synagogen und den alten jüdischen Friedhof. Dort lernen sie den quicklebendigen Rabbi Löw kennen. Er kann ihnen leider keinen neuen Menschen versprechen – das ist schon einmal bei ihm und jetzt hier im Osten gründlich schief gegangen: Aber einen Dichter in die Burg bringen, der dem Land die Menschenrechte ermöglicht, das läge noch in seiner Macht. Mit dem verführerischen Zauber der Revolution war auch der Zauber ihrer Liebe vorbei. In ständigen Rückerinnerungen tanzen die beiden in die neue Verführung hinein, bleiben ernüchtert zurück.

Nach diesen Zeitreisen sitzt Herzog wieder in seinem Ohrensessel, Konstantin ist nicht da und verflucht sein Leben. Da läutet es, eine wunderbare Frau erscheint. Sie, Maja, ist die vollendete Komposition aus Julie, Katharina und Deborah; sie sinken sich glücklichst in die Arme. Die Geburtstagsgäste treffen ein und finden ihn tot mit dem Champagnerglas in der Hand.

 

Anmerkung

 

Diese Synopse/Exposé kann bloß eine ungefähre Ahnung vom Libretto vermitteln. In der Textprobe findet man schon Genaueres. Was bleibt, ist die Geschichte eines Mannes, der nicht zu altern versteht, weil er die Sachverhalte seines Lebens nicht wirklich deuten kann. So geht er unerlöst seinem Absterben entgegen.

 

Dies alles ist nicht Witz und Humor zu erzählen. Es ist aber ein Meisterstück des Teufels, dass ausgerechnet der Mensch, der bei entscheidenden Paradigmenwechseln des Zwanzigsten Jahrhunderts persönlich anwesend war, sich selbst und seine Zeit nicht zu lesen verstand. Lags am reichen Erbe oder an der Unauslotbarkeit eines donjuanesken Charakters......

 

 

Orchester

 

2 Flöten (1.und 2. auch Piccoloflöte), Altflöte, 2 Oboen, Englisch Horn,

2 Klarinetten, Bassklarinette, 2 Fagotte, Kontrafagott

3 Trompeten, 4 Hörner, 3 Posaunen, 1 Basstuba,  

Harfe, Akkordeon (Knopfgriff), Klavier (auch Celesta), Singende Säge, 4 Schlagzeuger

Streicher (gross besetzt)