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Joseph Herzog

Oper in 3 Akten

Libretto: Robert Schindel         

© Noise Production Wien 2006/42

Ein Auftrag des Wiener Mozartjahres 2006

 

Die Oper erzählt vom Privatier Joseph Herzog, der auf der Suche nach seiner schier unerreichbaren Traumfrau, eine historische Reise durch wichtige europäische Städte unternimmt, dort auf Persönlichkeiten wie Sartre, De Beauvoir, Dutschke und Rabbi Löw trifft, um schließlich erst an seinem 60. Geburtstagsfest auf faszinierende Art und Weise im eigenen Tod die Liebe seines Lebens zu finden.

 

Synopse/Exposé

Joschi Herzog, ein reicher Erbe fällt angesichts seines bevorstehenden Geburtstags in eine tiefe Verzweiflung: Alles, was er unternommen hat, ist ihm schließlich unter den Fingern zerronnen. Die vielen Frauen, die er geliebt hat, sind wie verschwunden, auch wenn viele von ihnen zum großen Geburtstagsfest kommen werden. Weil er so gelebt hat, versteht er nicht zu altern. Sein Freund Konstantin sucht ihn einige Tage vor dem großen Fest auf, hört sich seine Jeremiaden an und macht ihm einen Vorschlag: Er möge die drei wichtigsten seiner Frauen nochmals verführen, auf die alten Fehler draufkommen und sie künftigst vermeiden. Bei welcher der dreien ihm das am Besten gelingt, mit der sollte er alt werden in Ruhe und Frieden.

Die erste, die Herzog sich aussucht ist Julie. Als er noch minderjährig war und zu seinem Vermögen keinen Zugang, schmachtete er in einem Bundeskonvikt. Von dort knüpfte er die Liebesbeziehung zu Julie an. Die beiden beschlossen nach Paris, in die Hauptstadt des Existentialismus zu fliehen. Dort  schlagen sie sich als Straßenmusikanten durch, bis sie die Bekanntschaft des Jean-Paul Sartre machen, der auf die junge Julie scharf ist. Simone de Beauvoir unterstützt ihn bei diesem Verführungsversuch, schließlich läßt de Beauvoir selbst sich von Herzog verführen. Vierzig Jahre später trifft Herzog Julie wieder, sie ist Großmutter und eine pensionierte Philosophielehrerin. Es kommt zwar zu einer neuerlichen Verführung, aber am nächsten Tag spüren beide, dass sie miteinander nicht alt werden können.

Die zweite ist Katharina, die dritte dann Deborah. Auch mit ihnen unternimmt er Reisen zu Zeitpunkten, die später als historisch galten. Immer brachten die Frauen den Müßiggänger in die Abenteuer hinein. Mit Katharina wohnt er zeitweilig in der K1 im Jahre 1967 in Berlin, sie lernen Dutschke kennen, der ihnen seine Befreiungstheorie nahe bringt. Katharina bekommt von Herzog ein Kind, das allerdings in der Folge drogensüchtig wird und bei der neuerlichen Verführung, sechsunddreißig Jahre später, das scheinbare Haupthindernis ist, sodass die beiden nicht zusammenbleiben können.

Deborah reist im Herbst 89 mit Herzog nach Prag und sie geraten in die sanfte Revolution. Als Jüdin sucht sie mit ihm den alten jüdischen Friedhof. Dort lernen sie den quicklebendigen, vierhundertsiebzig Jahre alten Rabbi Löw kennen. Er kann ihnen leider keinen neuen Menschen versprechen – das ist schon einmal bei ihm und jetzt hier im Osten gründlich schief gegangen: Aber einen Dichter in die Burg bringen, der dem Land die Menschenrechte ermöglicht, das läge noch in seiner Macht. Mit dem verführerischen Zauber der Revolution war auch der Zauber ihrer Liebe vorbei.

Nun sitzt Herzog wieder in seinem Ohrensessel und verflucht sein Leben. Da läutet es, eine wunderbare Frau erscheint. Sie, Maja, ist die vollendete Komposition aus Juli, Katharina und Deborah. Herzog lehnt sich überglücklich zurück. Hernach wacht er auf. Konstantin und die Geburtstagsgäste treffen ein und während Herzog gefeiert wird, stirbt er von allen unbemerkt mit dem Champagnerglas in der Hand. Als Herzogs Sohn bemerkt, dass sein Vater gestorben ist, verstummen die Gäste. Unerwartet erscheint Maya, sie verkündet auf bezaubernde Art, dass sie Herzog zu sich geholt hat. Alle verneigen sich vor Maya und dem, was sie verkörpert: die Liebe.

Diese Synopse/Exposé kann bloß eine ungefähre Ahnung vom Libretto vermitteln. Was bleibt, ist die Geschichte eines Mannes, der nicht zu altern versteht, weil er die Sachverhalte seines Lebens nicht wirklich deuten kann. Dies alles ist nicht Witz und Humor zu erzählen. Es ist aber ein Meisterstück des Teufels, dass ausgerechnet der Mensch, der bei entscheidenden Paradigmenwechseln des Zwanzigsten Jahrhunderts persönlich anwesend war, sich selbst und seine Zeit nicht zu lesen verstand. Lags am reichen Erbe oder an der Unauslotbarkeit eines donjuanesken Charakters...

 

       

 

   Robert Schindel

 

 

       

 

 

 

Robert Schindel wurde 1944 in Bad Hall bei Linz als Sohn jüdischer Kommunisten geboren. Seine Eltern, die im Widerstand tätig waren, wurden verhaftet und nach Auschwitz deportiert. Seine  Mutter überlebte Auschwitz und Ravensbrück, sein Vater wurde im KZ Dachau ermordet. Robert Schindel überlebte unter falschem Namen in einem Kinderheim der nationalsozialistischen "Volkswohlfahrt". 1945 kehrte seine Mutter nach Wien zurück und fand ihren Sohn wieder, den sie vor der Deportation mit fremder Hilfe als "Waise von asozialen Eltern unbekannter Herkunft" ausgerechnet in einem Wiener Kinderheim der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) hatte verstecken können.

Schindel begann 1959 eine Buchhändlerlehre im Globus-Verlag, die er allerdings abbrach, um ein unstetes Reiseleben quer durch Europa zu beginnen. Von 1961-1967 war er Parteimitglied der KPÖ. 1967 holte er die Matura nach und begann Jus und später Philosophie an der Universität Wien zu studieren. 1968 war er führendes Mitglied der "Kommune Wien", 1969 gründete er die literarische "Gruppe Hundsblume".

Seit 1986 als freier Schriftsteller in Wien. Zu seinen wichtigsten Werken zählen: Ohneland; Geier sind pünktliche Tiere; Im Herzen die Krätze; Ein Feuerchen im hintennach. 1992 gewann er mit dem Roman "Gebürtig" auch als Prosaautor ein breites Publikum. 1994 folgte unter dem Titel "Die Nacht der Harlekine" ein weiterer Prosaband. Nach den gesammelten Essays "Gott schütze uns vor den guten Menschen" (1995) erschien 2000 der Gedichtband "Immernie. Gedichte vom Moos der Neunzigerhöhlen". Im Jahr 2003 erschienen die Gedichtbände "Nervös der Meridian" sowie "Zwischen dir und mir wächst das Paradies". 2004 kam der Band "Mein liebster Feind" mit Essays, Reden und Miniaturen heraus sowie der Gedichtband "Fremd bei mir selbst".

Auszeichnungen:

1992 den Förderpreis des österreichischen Staatspreises für Literatur

1993 den Erich Fried Preis

2000 den Eduard Mörike Preis

2003 den Preis der Stadt Wien für Literatur

2005 Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien

Seine Werke erscheinen im Surkamp Verlag.  www.schindel.at

 

Besetzung

 

Joseph Herzog……………………………………….…………………………………………...........…..Hoher Bariton

(Privatier, reicher Erbe, 18, 23 und 59 Jahre, schlank, soigniert)

Konstantin………………………………………………………………………………………………………..........…..Tenor

(Journalist, 52 Jahre, bester Freund des Herzog seit vielen Jahrzehnten)

Juliane (Juli)……………………………………………………………………………………………………............Sopran

(Hausfrau, früher Philosophielehrerin, 16 und 56 Jahre, erste Liebe des Herzog)

Katharina….……………………………………………………………………………………………………...........…Sopran

(Maklerin, 17 und 57 Jahre, große Liebe des Herzog in der 68-Zeit, Mutter seines Sohnes)

Deborah…………………………………………………………………………..………………...........………Mezzosopran

(Filmemacherin. 21 und 36 Jahre, Eltern flüchteten 1968 mit ihr im Mutterleib aus Prag nach Wien)

Yassir-Ché……………………………………………………………………….…………………………….........…….Tenor

(Sohn von Herzog und Katharina, drogenkrank, 36 Jahre)

Jean-Paul Sartre (Philosoph und Schriftsteller, 57 Jahre)……………………..........……*Baß-Bariton

   Rudi Dutschke (Studentenführer, 27 Jahre)

     Rabbi Löw (Rabbiner zu Prag, 470 Jahre, angeblicher Schöpfer des Golem, Retter der 

                                        Prager Juden, wegen seines guten Einvernehmens mit Rudolf II.)

 

Maya (besonders attraktiv, Jugend und Reife verkörpernd)......................................Mezzosopran

Simone de Beauvoir (Philosophin, Schriftstellerin, Freundin von Sartre, 57 Jahre)..........**Alt

    Silvia (alte, beste Freundin von Herzog, 55 Jahre, Privateuse)   

Passanten, Studenten, Polizisten, Demonstranten, Geburtstagsgäste...........………………Chor

Komparsen

*) Die drei Rollen sollten vom selben Sänger gesungen werden

**) Diese beiden Rollen sollten von der selben Sängerin gesungen werden

Spielt in Wien, Paris, Berlin, Prag in den Jahren 1962, 1967, 1989 und um 2004

 

Orchester 

2 Flöten (1.und 2. auch Piccoloflöte), Altflöte, 2 Oboen, Englisch Horn,

2 Klarinetten, Bassklarinette, 2 Fagotte, Kontrafagott

3 Trompeten, 4 Hörner, 3 Posaunen, 1 Basstuba,  

Harfe, Akkordeon (Knopfgriff), Klavier (auch Celesta), Singende Säge, 4 Schlagzeuger

Streicher (gross besetzt)